08 June 2026, 14:17

Zuckergehalt in Kindergetränken steigt – trotz angeblicher Reduktionserfolge der Regierung

Wie das Landwirtschaftsministerium Schön die Zuckerfortschritte Berechnet

Zuckergehalt in Kindergetränken steigt – trotz angeblicher Reduktionserfolge der Regierung

Ein neuer Bericht deckt Ungereimtheiten in den deutschen Angaben zur Zuckerreduktion in Erfrischungsgetränken auf. Während das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Rückgang um 15 Prozent zwischen 2018 und 2024 verkündete, zeigen interne Daten lediglich eine Verringerung um 9,1 Prozent. Kritiker werfen der Behörde vor, die Zahlen so dargestellt zu haben, dass der mangelnde Fortschritt verschleiert wird.

Gleichzeitig enthalten Getränke, die speziell an Kinder vermarktet werden, heute sogar noch mehr Zucker als zuvor – ein Anstieg um 23 Prozent seit 2019.

Die Bundesregierung plant die Einführung einer Zuckersteuer auf gesüßte Getränke ab 2028. Dem Entwurf zufolge sollen Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter befreit bleiben. Bei einem Zuckergehalt zwischen fünf und acht Gramm wäre eine Abgabe von 26 Cent pro Liter fällig, stark zuckerhaltige Getränke würden mit 32 Cent zusätzlich belastet. Die Steuer soll jährlich etwa 450 Millionen Euro einbringen.

Das Landwirtschaftsministerium verteidigte seine Angabe von 15 Prozent Reduktion mit dem Hinweis, es handele sich um einen gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Getränke. In der entsprechenden Pressemitteilung war dies jedoch nicht deutlich kommuniziert worden. Interne Unterlagen belegen zudem, dass sich der Zuckergehalt der meisten gesüßten Erfrischungsgetränke im selben Zeitraum kaum verändert hat. Das Max Rubner-Institut, das die Analyse durchführte, wies darauf hin, dass die 15-Prozent-Angabe aufgrund einer kleineren Stichprobe im Jahr 2018 und möglicher methodischer Unterschiede unsicher sei.

Kritiker werfen dem Ministerium vor, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch argumentiert, die Behörden würden die Fortschritte der Industrie übertreiben, um strengere Regulierungen zu vermeiden. Das Ministerium bestreitet, einen falschen Eindruck erweckt zu haben, ging auf die Transparenzvorwürfe jedoch nicht ein. Lobbyverbände der Zucker- und Getränkeindustrie haben bereits damit begonnen, gegen die geplante Steuer zu kämpfen.

Trotz der Bemühungen der Regierung um eine Zuckerreduktion ist der Zuckergehalt in kindgerechten Getränken deutlich gestiegen. 2024 wiesen diese Produkte 23 Prozent mehr Zucker auf als noch 2019 – ein alarmierender Trend, der Fragen nach den Vermarktungsstrategien gegenüber jungen Verbrauchern aufwirft.

Die Zuckersteuer soll 2028 in Kraft treten, die Einnahmen sind für Gesundheitsinitiativen vorgesehen. Die Angaben des Ministeriums bleiben jedoch umstritten – insbesondere vor dem Hintergrund, dass kinderorientierte Getränke immer süßer werden. Mit Annäherung an den Stichtag dürften die Lobbyaktivitäten gegen die Steuer weiter an Fahrt aufnehmen.

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