Wie BMW 1972 mit der Motorsport GmbH seine Rennsport-Ära einläutete
1972 markierte für BMW einen mutigen Schritt zur Stärkung seiner Rennsportambitionen: die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft. Mit der BMW Motorsport GmbH bündelte der Konzern alle Motorsportaktivitäten unter einem Dach. Der Schritt erfolgte zu einer Zeit, in der die Nachfrage nach Hochleistungsfahrzeugen die Kapazitäten der bestehenden Sportabteilung überstieg.
BMW war damals bereits eine dominierende Kraft in der Formel 2 – mit zahlreichen Siegen und Europameistertiteln. Die Unternehmensführung, darunter Vorstandsmitglied Robert A. Lutz, sah im Motorsport einen zentralen Bestandteil der BMW-Identität: Die Marke sollte wie ein durchtrainierter Spitzensportler bereit für neue Herausforderungen sein.
Die Entscheidung zur Gründung der BMW Motorsport GmbH ging vom Vorstand unter der Leitung von Eberhard von Kuenheim aus. Ziel war es, die Rennsportaktivitäten zu zentralisieren und die Erfolge im Wettbewerbsmotorsport auszubauen. Die neue Tochtergesellschaft etablierte sich schnell in München und bezog ein 8.000 Quadratmeter großes Gelände an der Preußenstraße. Dort entstanden eine Rennwerkstatt, eine Motorenfertigung, eine Werkzeugmacherei und ein Motorenprüfstand – alles, was für den Bau und die Optimierung von Hochleistungsfahrzeugen nötig war.
Als Leiter der neuen Sparte verpflichtete BMW Jochen Neerpasch, einen erfahrenen Motorsport-Experten. Neerpasch brachte wertvolle Expertise mit, hatte er doch zuvor als Werkfahrer bei Porsche und als Rennleiter bei Ford gearbeitet. Unter seiner Führung holte das Unternehmen Top-Talente ins Team, darunter die Rennfahrer Chris Amon, Toine Hezemans, Hans-Joachim Stuck und Dieter Quester. Für Rallye-Wettbewerbe stießen Björn Waldegård und Achim Warmbold zum Team.
Bereits 1973 entwickelte die BMW Motorsport GmbH wettbewerbsfähige Fahrzeuge. Dazu zählte ein 950 Kilogramm leichter 2002er-Rallyewagen mit einem 240 PS starken Zwei-Liter-Vierzylinder-Viertaktmotor. Daneben debütierte das neue 3.0 CSL-Tourencoupé, angetrieben von einem 360 PS starken 3,34-Liter-Reihensechszylinder. Diese Modelle knüpften an BMWs Ruf als Leistungsmarke an – nach den früheren Erfolgen mit dem 1800 TI, dem 2000 TI und der 02er-Baureihe. Doch trotz großer Nachfrage wurden die meisten Rennfahrzeuge weiterhin von externen Tuningfirmen umgebaut und vertrieben, da BMW die Produktion intern noch nicht vollständig bewältigen konnte.
Die Gründung der BMW Motorsport GmbH war ein Wendepunkt für die Rennsportabteilung des Unternehmens. Mit einer eigenen Produktionsstätte, erfahrener Führung und einem Team erstklassiger Fahrer festigte BMW seine Position im Motorsport. Die Tochtergesellschaft, später in BMW M GmbH umbenannt, sollte eine Schlüsselfigur in der Hochleistungs-Historie der Marke werden.
Zuvor hatte BMW bereits in der Formel 2 Maßstäbe gesetzt – doch die neue Division ermöglichte eine noch stärkere Fokussierung und Expansion. Die Investitionen in Renntechnologie und Spitzenpersonal ebneten den Weg für künftige Erfolge auf der Strecke.






