V2G-Technologie in Deutschland: Warum sie ohne politische Reformen scheitern könnte
Leon SchmidtV2G-Technologie in Deutschland: Warum sie ohne politische Reformen scheitern könnte
Eine neue Studie des Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München zeigt die zentralen Herausforderungen auf, vor denen die Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) in Deutschland steht. Ohne klarere Regulierungen und finanzielle Anreize bleibt die Wirtschaftlichkeit des Systems unsicher. Der Bericht skizziert zudem eine Roadmap für die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur, um V2G bis 2029 massentauglich zu machen.
Unterdessen treiben einige Unternehmen die Entwicklung bereits voran. BMW und Eon planen, ab 2026 Kunden des neuen BMW iX3 V2G-Angebote zu unterbreiten – mit jährlichen Boni von bis zu 720 Euro für die Freigabe des Batteriezugangs.
Die FfE-Studie benennt mehrere Hindernisse, die die Verbreitung von V2G bremsen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen ist die Technologie wirtschaftlich kaum tragfähig. Eine der schnellsten Lösungen wäre die Befreiung von V2G-Modellen von der Stromsteuer – eine Änderung, die bereits in der ersten Jahreshälfte 2026 in Kraft treten könnte. Bisher wurde eine solche Ausnahme jedoch bis Ende 2026 nicht umgesetzt.
Das am 23. November 2025 vom Bundestag verabschiedete Energiewirtschaftsgesetz ermöglicht zwar bidirektionales Laden, indem es Doppelbelastungen bei Netzentgelten für rückgespeisten Strom verhindert. Die Stromsteuerproblematik bleibt jedoch ungelöst. Zudem fordert die Studie einheitliche technische Standards für AC-Wallboxen, die beim bidirektionalen Laden zum Einsatz kommen.
Um den Fortschritt zu beschleunigen, sollte die Bundesregierung großflächige Testzonen für netzdienliche Services einrichten. Zudem müsste sie den verpflichtenden Rollout intelligenter Zähler vorantreiben. Die Bundesnetzagentur wiederum sollte prüfen, wie sich das "AgNes"-Verfahren auf die Wirtschaftlichkeit von V2G auswirkt. Mögliche Lösungen wären eine dynamische Anpassung des Arbeitspreises oder flexible Netzzugangsverträge.
Einige Verbesserungen könnten schneller umgesetzt werden. Flexible Netzverträge etwa ließen sich bereits ab dem nächsten Jahr einführen. Diese würden Rückerstattungen auf Netzentgelte für Strom ermöglichen, der zeitweise in Fahrzeugbatterien gespeichert wird.
Die Studie liefert konkrete Handlungsempfehlungen für Regulierer und Gesetzgeber, um die V2G-Ausweitung zu fördern. Ohne Anpassungen bei Steuern, Netzregeln und technischen Standards wird eine flächendeckende Einführung bis 2029 jedoch schwierig bleiben. Unternehmen wie BMW und Eon testen zwar bereits Geschäftsmodelle – doch der breite Durchbruch hängt von politischen Weichenstellungen in den kommenden Jahren ab.






