11 June 2026, 04:12

Streit um Ökonom Nils Hesse: Schlüsselposition trotz Thinktank-Verflechtungen

Vom rechten Think Tank zu Katherina Reiche

Streit um Ökonom Nils Hesse: Schlüsselposition trotz Thinktank-Verflechtungen

Der Ökonom Nils Hesse hat im Bundeswirtschaftsministerium eine Schlüsselposition übernommen. Die Ernennung erfolgt trotz seiner anhaltenden Verbindung zu Republik 21 (R21), einem konservativen Thinktank, der wegen seiner politischen Verflechtungen in der Kritik steht. Das Ministerium betont, Hesse arbeite nicht mehr für die Organisation – doch sein Name taucht weiterhin auf deren Website auf.

Hesse leitet seit Anfang Mai kommissarisch die Abteilung „Reden und Strategische Kommunikation“ im Ministerium. Seine Bestellung erfolgte unter Ministerin Katharina Reiche (CDU). Zuvor hatte er regelmäßig für R21 publiziert und dort die deutsche Energiepolitik scharf kritisiert: Den Umbau des Energiesektors bezeichnete er als ein „immer instabileres Kartenhaus“.

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Der Thinktank R21 wurde 2021 in München als gemeinnützige Denkfabrik gegründet und kann bis zu 500.000 Euro staatliche Förderung erhalten. Zu seinem Beirat zählen der Historiker Andreas Rödder und die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder – beide durch umstrittene Äußerungen bekannt. Die Organisation steht wegen angeblicher Nähe zu parteipolitischen Interessen unter Beobachtung; es gab bereits Ermittlungen zu ihren Aktivitäten.

Hesses indirekte Verbindungen zu R21 bestehen fort: Er ist Geschäftsführer der HMC Hesse Marketing Consult, deren Mitarbeiter weiterhin für den Thinktank tätig sind. 2026 kam ein Rechtsgutachten im Auftrag der Organisation Campact zu dem Schluss, dass die staatliche Förderung von R21 „ernsthafte verfassungsrechtliche Bedenken“ aufwerfe, da der Thinktank wie eine Partei agiere, ohne als solche anerkannt zu sein. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn hat R21 öffentlich unterstützt und sich für dessen staatliche Finanzierung eingesetzt.

Hesses neue Position wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten auf. Seine frühere Kritik an der Energiepolitik und die fortbestehenden indirekten Verbindungen zu R21 bleiben umstritten. Die Finanzierung des Thinktanks und seine politische Ausrichtung stehen weiterhin in der öffentlichen und juristischen Diskussion.

Quelle