Patentstreit um Solarzellen: Jinkosolar verklagt Longi in München wegen TOPCon-Technologie
Emma HerrmannPatentstreit um Solarzellen: Jinkosolar verklagt Longi in München wegen TOPCon-Technologie
Rechtlicher Streit um Solarzellentechnologie eskaliert zwischen zwei Photovoltaik-Riesen
Ein juristischer Konflikt um Solarzellentechnologie hat sich zwischen zwei der weltweit größten Hersteller von Photovoltaikmodulen zugespitzt. Die Tochtergesellschaft Shangrao Jinko Xinyuan Yuedong des Konzerns Jinkosolar hat den Wettbewerber Longi wegen angeblicher Patentverletzungen vor dem Landgericht München verklagt. Im Mittelpunkt des Streits stehen rückseitig kontaktierte Solarmodule – ein zentraler Innovationsbereich im Wettlauf um effizientere Solarpaneele.
Die beim Einheitlichen Patentgericht in München eingereichte Klage wirft Longi Green Energy und dessen europäischen Tochtergesellschaften vor, ein europäisches Patent (EP3297043) zu verletzen. Dieses schützt ein Solarzellendesign mit selektiver Dotierung der Passivierungsschicht, das ursprünglich von LG Energy Solution entwickelt und 2023 von Jinkosolar übernommen wurde. Die Technologie basiert auf einer Tunneloxid-passivierten Kontaktstruktur (TOPCon), die eine ultra-dünne Siliziumoxidschicht (1–3 nm) unter einer stark dotierten polykristallinen Siliziumschicht kombiniert – optimiert für Ladungstransport und reduzierte Energieverluste.
Gezielt richtet sich die Klage gegen Longis Premium-Modulreihe mit Rückseitenkontakt: Hi-MO 7, Hi-MO 9 und X10. Damit verlagert Jinkosolar seinen juristischen Fokus – weg von früheren Auseinandersetzungen um TOPCon-Technologie hin zum Segment der rückseitig kontaktierten Module.
Longi bleibt jedoch nicht untätig: Bereits im Februar reichte das Unternehmen eine Gegenklage gegen Jinkosolar wegen möglicher Patentverletzungen in China und den USA ein. Zudem beantragte Longi am 21. Juli die Annullierung des strittigen TOPCon-Patents von Jinkosolar beim Einheitlichen Patentgericht. In eigenen Klagen berief sich Longi zudem auf Patente, die es von Mitsubishi Electric erworben hatte.
Der Konflikt begann im Januar, als JinkosolarLongi erstmals in China wegen nicht näher bezeichneter TOPCon-Technologie verklagte. Seither haben beide Unternehmen ihre Vorwürfe eskaliert – Longi stellt nun sogar die Gültigkeit des Patents infrage, das im Mittelpunkt des Münchner Verfahrens steht.
Hintergrund: Innovationswettlauf in der Solarbranche Der Rechtsstreit unterstreicht die harte Konkurrenz um effizienzsteigernde Technologien wie TOPCon und rückseitige Kontaktdesigns. Da beide Konzerne Patente anfechten und mit Gegenklagen reagieren, könnte das Urteil weitreichende Folgen für die Patentlandschaft in der Photovoltaikbranche haben. Während das Verfahren in München weiterläuft, dauern verwandte Prozesse in China und den USA an.






