Giffey besucht Berliner Apotheke – und hört verzweifelte Forderungen nach Reformen
Johanna SchwarzGiffey besucht Berliner Apotheke – und hört verzweifelte Forderungen nach Reformen
Berlins ehemalige regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey besuchte am Mittwoch eine Apotheke in Rudow, um sich über drängende Probleme der Branche zu informieren. Der Besuch in der Alten Kloster-Apotheke lenkte die Aufmerksamkeit auf anhaltende Sorgen wegen verzögerter Gebührenanpassungen und der Zukunft der Personalsituation in Apotheken. Giffey, die inzwischen als Wirtschaftssenatorin der Stadt tätig ist, nahm sich eine Stunde Zeit, um sich vor geplanten Reformen die Herausforderungen der Apothekerinnen und Apotheker anzuhören.
Während ihres Besuchs traf Giffey die Apothekerin Katja Laurisch-Nehrkorn, die die längst überfällige Anpassung der Apothekengebühren ansprach – ein Vorhaben, das im Koalitionsvertrag von 2021 festgehalten wurde. Trotz des vom Bund initiierten Pharmadialogs, der im Herbst 2023 gestartet wurde, gab es bisher keine konkreten Änderungen bei der Gebührenstruktur (Apothekenabgabe). Noch immer arbeiten Fachgremien an Vorschlägen, wobei mögliche Reformen frühestens im Frühjahr 2027 erwartet werden.
Laurisch-Nehrkorn betonte, dass eine Modernisierung des festen Gebührensystems es ihr ermöglichen würde, ihrem Personal bessere Löhne zu zahlen und so die Mitarbeiterbindung zu verbessern. Zudem forderte sie verbindliche Tarifverhandlungsrechte für Apotheker – ohne Einmischung des Bundesgesundheitsministeriums. Giffey versprach daraufhin, das Thema bei Berlins Gesundheitssenator vorzubringen und sich über ihre Kontakte im Bundestag für Veränderungen einzusetzen.
Die Gespräche drehten sich auch um weitere Branchenprobleme. Laurisch-Nehrkorn warnte, dass die zunehmende Direktverteilung hochpreisiger Medikamente die Apotheken unter Druck setze. Kritisch äußerte sie sich zudem zum geplanten Ausbildungsbeitrag Berlins, der die finanzielle Belastung weiter verschärfen würde. Giffey wiederum lehnte Vorhaben ab, die die Aufgaben von Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) ausweiten würden, da sie befürchtet, dass dadurch Drogerieketten in den verschreibungspflichtigen Markt drängen könnten. Beide wiesen darauf hin, dass viele PTA aufgrund stagnierender Löhne im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen den Beruf verließen.
Der Besuch unterstrich die zähen Fortschritte bei der Apothekenreform in Deutschland, wobei zentrale finanzielle Anpassungen noch in der Planungsphase stecken. Giffeys Zusage, das Thema bei Entscheidungsträgern voranzubringen, kommt zu einer Zeit, in der kleine Apotheken unter steigenden Kosten und Personalmangel ächzen. Ob es tatsächlich zu Änderungen bei Gebühren oder Verhandlungsrechten kommt, hängt letztlich von künftigen politischen Weichenstellungen ab.






