Bayern verschiebt Beamten-Gehaltserhöhungen – und bricht mit jahrzehntelanger Tradition
Jana KellerBayern verschiebt Beamten-Gehaltserhöhungen – und bricht mit jahrzehntelanger Tradition
Die bayerische Landesregierung hat Pläne bekannt gegeben, geplante Gehaltserhöhungen für Beamte um sechs Monate zu verschieben – ein Bruch mit einer langjährigen Praxis. Die Entscheidung hat scharfe Kritik des Bayerischen Beamtenbundes (BBB) ausgelöst, der ihr vorwirft, sie untergrabe die Gerechtigkeit und missachte bisherige Vereinbarungen. Eine Online-Petition gegen die Verzögerung hat bereits über 20.000 Unterschriften gesammelt.
Streitpunkt ist ein Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst, der am 14. Februar 2026 vereinbart wurde. Demnach sollten die Gehälter ab dem 1. April 2026 um 2,8 Prozent (mindestens jedoch 100 Euro) steigen, gefolgt von weiteren Erhöhungen um 2 Prozent zum 1. März 2027 und um 1 Prozent zum 1. Januar 2028. Die bayerische Regierung plant nun jedoch, diese Anpassungen für Beamte – darunter auch Lehrer – auf den 1. Oktober 2026 zu verschieben, also sechs Monate später als für Tarifbeschäftigte.
Der BBB verurteilte den Schritt scharf und argumentiert, dass Beamte und Pensionäre in den vergangenen 20 Jahren stets zeitgleich mit anderen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes Gehaltserhöhungen erhalten hätten. Zudem kritisierte der Verband, dass die Regierung die Verzögerung bekannt gab, noch bevor offizielle Tarifverhandlungen begonnen hatten. Finanzminister Albert Füracker bestätigte am 11. März 2026, dass die Verschiebung aufgrund angespannter Haushaltslagen notwendig sei.
Neben der Verzögerung plant die Regierung zudem, die im ursprünglichen Abkommen garantierte Mindesterhöhung von 100 Euro zu streichen. Der aktuelle zweijährige Landeshaushalt hatte die Verschiebung der beiden geplanten Gehaltsrunden bereits einkalkuliert.
Die Landesregierung betont zwar, dass sie weiterhin zu den vereinbarten Gehaltserhöhungen stehe – wenn auch mit sechsmonatiger Verzögerung. Beamte und Pensionäre müssen ihre erste Anpassung nun im Oktober 2026 statt im April abwarten. Der BBB bleibt bei seiner Ablehnung und verweist auf die finanziellen Belastungen für die Beschäftigten sowie den Bruch mit der bisherigen Linie.