Stichwahl in München: Reiter oder Krause – wer führt die Stadt in die Zukunft?
Leon SchmidtStichwahl in München: Reiter oder Krause – wer führt die Stadt in die Zukunft?
Münchens Oberbürgermeister-Wahl geht in die Stichwahl am 22. März
Da kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte, kommt es am 22. März zur Stichwahl um das Münchner Rathaus. Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) erhielt 35,6 Prozent der Stimmen, während sein Herausforderer Dominik Krause (CSU) mit 29,5 Prozent folgte. Die Wahl wird entscheiden, ob die Stadt unter Reiters Führung bleibt oder mit Krause an der Spitze einen neuen Kurs einschlägt.
Beide Bewerber vertreten gegensätzliche Visionen für die Zukunft Münchens – von Wohnungsbau und Verkehr bis hin zu kulturellen Traditionen wie dem Oktoberfest. Ihre unterschiedlichen Ansätze zu Autos, öffentlichem Nahverkehr und Stadtplanung stehen im Mittelpunkt des Wahlkampfs.
Reiter: Ausbau des ÖPNV, aber Auto bleibt wichtig Dieter Reiter regiert München seit 2014 und setzt sich für einen stärkeren öffentlichen Verkehr und eine bessere Radinfrastruktur ein. Unter seiner Amtszeit wurde der Radverkehrsentwicklungsplan 2020–2025 verabschiedet, der den Ausbau von Radwegen und die Einführung von Tempo-30-Zonen in Stadtteilen wie Schwabing vorantrieb. Zudem setzte er 2021 die Genehmigung für die U-Bahn-Linie U9 durch, deren Bau bereits läuft, und verlängerte die Straßenbahnlinie 25, die 2023 fertiggestellt wurde. Trotz dieser Fortschritte betont Reiter, dass Autos im Stadtzentrum weiterhin unverzichtbar seien.
In der Wohnungspolitik setzt Reiter auf eine Mischung aus verschiedenen Maßnahmen, kritisiert jedoch die Münchner Städtische Entwicklungsmaßnahme (SEM) als unwirksam. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, die IAA-Pkw-Messe in der Stadt zu halten – inklusive ihrer Nutzung öffentlicher Flächen. Beim Oktoberfest vermeidet er eine klare Position dazu, ob die Giesinger Brauerei als siebter Bierlieferant zugelassen werden sollte.
Krause: Pro Auto, aber mit ÖPNV-Offensive und E-Mobilität Dominik Krause wirft Reiter dagegen vor, eine "autofeindliche" Verkehrspolitik zu betreiben. Zwar lehnte er flächendeckende Tempo-30-Zonen ab – einige wurden dennoch 2024 eingeführt –, doch er setzte sich für mehr Parkplätze ein, etwa durch das P+R-Projekt Laim 2023. Mittlerweile fordert er jedoch einen raschen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Radwege. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren, so seine Prognose, würden im Mittleren Ring nur noch Elektroautos fahren dürfen. Gleichzeitig blockierte er übermäßige Radweiterweiterungen zugunsten von Autospuren, wie etwa bei den Anpassungen der Fürstenrieder Straße 2025.
Sein Wohnungsbauprogramm ist ehrgeiziger: Krause will 50.000 neue Wohnungen bauen und leerstehende Büros umwandeln. Anders als Reiter hält er an der SEM als Instrument für bezahlbaren Wohnraum fest. Kulturell zeigt er sich offen für die Aufnahme der Giesinger Brauerei beim Oktoberfest und möchte die IAA reformieren – unter anderem durch ein Ende der Nutzung öffentlicher Plätze für die Messe.
Stichwahl entscheidet über Verkehrswende und Wohnungsbau Die Wähler müssen sich nun zwischen Reiters ausbalancierter, aber umstrittenen Verkehrspolitik und Krauses Mischung aus autofreundlichen und grünen Initiativen entscheiden. Der Sieger wird auch die Wohnungsbaupolitik prägen: Krause setzt auf großangelegte Neubauten, während Reiter eine breitere Strategie bevorzugt.
Am Ende geht es um die Frage, ob München den bisherigen Kurs fortsetzt oder eine Wende in zentralen Bereichen einleitet – von Verkehrsregeln bis hin zu Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest und der IAA.






