23 April 2026, 14:31

"No Body Fits" feiert rauschende Premiere in Berlins Vaganten Bühne

Titelbild eines alten Buches namens "Leben und Untersuchung der Möchtegern-Damen" mit drei illustrierten Frauen verschiedenen Alters und Ethnien.

"No Body Fits" feiert rauschende Premiere in Berlins Vaganten Bühne

Premierenabend in Berlin: "No Body Fits" feiert ausverkaufte Aufführung in der Vaganten Bühne

Ein ausverkauftes Publikum versammelte sich am Dienstag in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg zur Premiere von "No Body Fits". Die Bühnenadaption von Kim de l'HORIZONs preisgekröntem Roman erkundet Themen wie Identität, Trauma und das Gewicht des Schweigens. Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – verleihen der genderfluiden Erzählerin Kim Leben, in einer Inszenierung, die Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen lässt.

Das Stück begleitet Kim auf einer Suche nach Selbstfindung, die tief in die mütterliche Ahnenreihe der Familie eintaucht, um transgenerationale Traumata aufzudecken. Den Ausgangspunkt bildet die Demenzerkrankung von Kims Großmutter, die eine Rückkehr zu Kindheitserinnerungen in einem Schweizer Vorort erzwingt. Die Handlung verwebt erzwungene Abtreibungen, Massenvergewaltigungen, Krieg und psychische Krisen – eine Gewalt, die sich durch die Generationen zieht.

Auf der Bühne wird Kims Körper als fließend und unbegrenzt dargestellt, der sich binären Zuordnungen entzieht. Das Kind in der Geschichte findet nur unter einer Blutbuche Sicherheit, die einst der Urgroßvater gepflanzt hatte. Nach neunzig Minuten legen die drei Schauspieler:innen symbolisch das "Große Meer" zur Ruhe und durchbrechen so den Kreislauf des Schweigens.

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Der Originalroman, 2022 erschienen, gewann sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis. Er untersucht, wie Schweigen zur Gewalt wird und wie Kim Selbstakzeptanz in einer Welt findet, die sie nicht einzuordnen vermag.

Die Premiere markiert eine mutige Adaption von de l'HORIZONs Werk, die rohes Storytelling mit physischem Theater verbindet. Indem Kim das geerbte Leid konfrontiert und ihre Stimme zurückerobert, fordert ihre Reise das Publikum auf, über Identität und Heilung nachzudenken. Die ausverkaufte Vorstellung zeigt: Die Sehnsucht nach Erzählungen, die einfache Antworten verweigern, ist groß.

Quelle