Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Jana KellerKölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Fünfzehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs während des U-Bahn-Baus bleibt die Stelle eine Narbe in der Stadtlandschaft. Der Unglücksfall im Jahr 2009 zerstörte 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben. Nun, da die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahnlinie wiederaufgenommen werden, soll die provisorische Betonfüllung bald entfernt werden – ein kleiner Schritt in Richtung Erholung.
Der Einsturz ereignete sich, als die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), unerfahren im großflächigen Tunnelbau, das Projekt leiteten. Kritische Stahlträger waren vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden. Am Tag des Unglücks öffnete sich unter dem Archiv ein gewaltiger Grundwasserkrater, der das Gebäude verschlang. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern kamen ums Leben, als der Boden unter ihnen nachgab.
Rettungskräfte verbrachten Monate damit, Papierfragmente zu sichten und die Funde an 20 Notarchive zu verteilen. Einige Dokumente wurden erst 2010 geborgen. Der Einsturz beschädigte auch nahegelegene Kirchen: St. Maria im Kapitol, St. Georg und St. Johann-Baptist wiesen anschließend Risse in der Bausubstanz auf.
Jahre lang zogen sich die juristischen Verfahren hin – mit Verurteilungen, Freisprüchen und Verfahrensverzögerungen. Bis 2024 wurde der Fall schließlich vollständig eingestellt, da das öffentliche Interesse nachließ und Fehler im Prozess weitere Schritte unmöglich machten. Währenddessen blieb die Baustelle eine unfertige Wunde im Stadtbild – 2023 teilweise verfüllt, doch immer noch eine Landschaft aus Sandhügeln und verwilderter Vegetation.
Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich seit 2011 für eine Mitsprache bei den Neugestaltungsplänen und ein würdevolles Mahnmal ein. Nun, da die U-Bahn-Arbeiten voranschreiten, verspricht die Entfernung des provisorischen Betons eine Verkürzung der Fahrzeit um acht Minuten. Doch die Zukunft des Ortes – und wie die Stadt ihrer verlorenen Geschichte gedenken wird – bleibt ungewiss.
Der Fortschritt der U-Bahn-Linie bringt praktische Vorteile, doch das Erbe der Katastrophe wirkt nach. Zwei Menschen verloren ihr Leben, Kirchen wurden beschädigt, und ein Jahrtausend an Aufzeichnungen ging unwiederbringlich verloren. Mit dem Ende der juristischen Aufarbeitung und der immer noch unvollendeten Sanierung der Stelle muss die Stadt nun entscheiden, wie sie des Verlorenen gedenken will.






