Homophobe Beleidigungen in Hamburger U-Bahn führen zu 1.200-Euro-Strafe
Jana KellerHomophobe Beleidigungen in Hamburger U-Bahn führen zu 1.200-Euro-Strafe
Ein Hamburger Gericht hat einen Mann zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt, weil er im Oktober vergangenen Jahres in einer U-Bahn einen anderen Fahrgast mit homophoben Beleidigungen beschimpft hatte. Der Vorfall begann, als Michael W. Tibor P. wegen seiner schwarzen Lacklederschuhe mit Absätzen als "Bazille", "Krankheit" und "Schwuchtel" beschimpfte. Die Auseinandersetzung artete später in eine körperliche Konfrontation aus, wie Zeugen und Überwachungsaufnahmen bestätigten.
Der Angriff ereignete sich in der U3-Linie gegen 3:40 Uhr am 20. Oktober 2024. Tibor P., der zuvor an diesem Abend in einem Schwulenclub gewesen war, trug schwarze Lacklederschuhe mit Absätzen, als Michael W. begann, sich über sein Schuhwerk lustig zu machen. Laut Gerichtsakten verwendete W. wiederholt abwertende Begriffe, darunter "Bazille", "Krankheit" und "Schwuchtel". Tibor P. reagierte zunächst nicht auf die Beleidigungen, beschrieb später jedoch, sich überfordert, gedemütigt und verängstigt gefühlt zu haben.
Ein Umstehender versuchte einzugreifen, woraufhin Michael W. sich aggressiv gegen ihn wandte. Obwohl W. bestritt, den Zeugen angegriffen zu haben, stellte der Richter fest, dass sein Verhalten die Situation eskalieren ließ. Überwachungsaufnahmen bestätigten später eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern.
Während des Prozesses räumte Michael W. ein, die abwertenden Bemerkungen gemacht zu haben, entschuldigte sich jedoch für sein Verhalten. Tibor P. nahm die Entschuldigung an. Der Richter hob den moralischen Mut des Zeugen hervor, der sich eingemischt hatte, und betonte, dass sich die Beleidigungen gezielt gegen die sexuelle Orientierung von Tibor P. richteten.
Michael W. wurde wegen Beleidigung und Bedrohung zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt, die in 150 Tagessätzen abgeleistet werden muss. In der Urteilsbegründung erkannte das Gericht den homophoben Charakter des Angriffs und die Auswirkungen auf Tibor P. an. Der Fall reiht sich in eine zunehmende Zahl von Meldungen über Hassrede im öffentlichen Nahverkehr in Hamburg ein.






