Fraunhofer-Forscher revolutionieren Beton mit Pflanzenkohle und römischen Rezepten
Emma HerrmannFraunhofer-Forscher revolutionieren Beton mit Pflanzenkohle und römischen Rezepten
Forschende des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP arbeiten daran, Beton nahezu klimaneutral zu machen. Ihre Projekte konzentrieren sich darauf, CO₂-Emissionen durch den Einsatz von Abfallstoffen, Pflanzenkohle und antiken römischen Techniken zu reduzieren. Auf der Baumesse BAU in München werden sie im Januar nächsten Jahres ihre neuesten Innovationen präsentieren.
Ein zentraler Ansatz besteht darin, herkömmliche Betonbestandteile durch Pflanzenkohle zu ersetzen. Dieses Material bindet während der Herstellung mehr CO₂, als es freisetzt. Dem Team ist es zudem gelungen, die Pflanzenkohle zu winzigen Partikeln mit einem Durchmesser von weniger als zwei Millimetern zu granulieren, um damit Sand in Betonmischungen zu ersetzen. Dr. Volker Thome, Leiter der Abteilung „Mineralische Baustoffe und Baureststoffrecycling“, schätzt, dass jeder Anteil an Pflanzenkohle die Emissionen um etwa das Dreifache senken könnte.
Ein weiteres Verfahren reduziert den Klinkeranteil in Zement durch den Einsatz lokaler Tone. Im Rahmen des Projekts LOCALAY werden klinkerreduzierte und sogar klinkerfreie Bindemittel für den großflächigen Einsatz im Baugewerbe getestet. Diese Alternativen zielen darauf ab, den CO₂-Ausstoß zu verringern, ohne die Festigkeit und Langlebigkeit des Materials zu beeinträchtigen.
Das Projekt RICIMER greift auf antike römische Vorbilder zurück und entwickelt zementfreie Rezepturen, die auf Asche aus Müllverbrennungsanlagen und industriellen Nebenprodukten basieren. Gleichzeitig stellt das Team Geopolymere aus kommunalem Abfall und Industrieabfällen her. Diese Materialien sind korrosionsbeständig, hochbelastbar und nicht brennbar.
Um die Nachhaltigkeit weiter zu verbessern, fügen die Forschenden biogenen Kalk zu ihren Mischungen hinzu. Dieser Schritt verringert den CO₂-Fußabdruck des Materials und schont natürliche Ressourcen.
Vom 13. bis 17. Januar 2025 wird das Team des Fraunhofer IBP seine Ergebnisse auf der BAU in München vorstellen. Mit ihren Methoden – dem Einsatz von Pflanzenkohle, Ton und recycelten Abfällen – könnten die CO₂-Emissionen in der Betonproduktion deutlich gesenkt werden. Gleichzeitig sollen die entwickelten Materialien fest, langlebig und für den modernen Bau geeignet bleiben.






