17 April 2026, 06:20

Digitale Zwillinge: Warum die Industrie noch zögert – trotz großer Chancen

Eine Karte der Vereinigten Staaten, auf der Unternehmenslogos und Text die Standorte des Software-Ökosystems markieren.

Digitale Zwillinge: Warum die Industrie noch zögert – trotz großer Chancen

Digitale Zwillinge entwickeln sich zu einer Schlüsseltechnologie in der Industrie – doch ihr volles Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Christian Heinrich, ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, betont, dass zwar Fortschritte sichtbar seien, die flächendeckende Einführung jedoch weiterhin auf Hindernisse stoße. Die Asset Administration Shell (AAS), ein standardisierter digitaler Zwilling, gewinne zwar an Bedeutung, habe aber noch nicht alle Branchen erreicht.

Ein zentraler Vorteil der AAS liegt im unternehmensübergreifenden Datenaustausch. Dank ihres strukturierten Formats sind alle Werte semantisch eindeutig definiert, was den Informationsaustausch deutlich effizienter macht. Ein führender Komponentenhersteller hat bereits seine gesamte Produktionsdatenlogistik umgestellt und nutzt die AAS als zentrales System. Ein anderes Unternehmen erfasst die Ergebnisse von End-of-Line-Tests direkt in der AAS des Produkts – Kunden erhalten so unmittelbar nach dem Kauf Zugriff auf die Daten.

Laut Christian Heinrich ist das größte Hindernis die zögerliche Verbreitung standardisierter Frameworks für digitale Zwillinge. Viele Unternehmen zögerten mit Investitionen, da die langfristigen Vorteile unklar seien. Zudem warnt er vor Missverständnissen: Der Begriff "digitaler Zwilling" werde oft unterschiedlich definiert, was zu Verwirrung führe.

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Für die Zukunft prognostiziert Heinrich, dass die AAS sich vom statischen Datenspeicher zu einem dynamischen System weiterentwickeln werde. Künftige Lösungen könnten Produktionsprozesse eigenständig steuern – basierend auf Echtzeitdaten. Parallel treibt die Open Industry 4.0 Alliance die Standardisierung voran, etwa durch Projekte wie Factory-X und Manufacturing-X. Ekrem Yigitdöl meldet hier deutliche Fortschritte und kündigt an, den Einfluss des Bündnisses in Europa und darüber hinaus auszubauen.

Trotz aller Chancen bleibt die Integration von Daten aus verschiedenen Quellen kostspielig und komplex. Heinrich betont: Ohne breitere Standardisierung werde es vielen Betrieben schwerfallen, die Technologie vollumfänglich zu nutzen.

Die AAS verändert schrittweise den industriellen Datenaustausch – doch die Umsetzung verläuft ungleichmäßig. Unternehmen, die sie bereits einsetzen, berichten von gestiegener Effizienz in Produktion und Kundendatenmanagement. Für einen Durchbruch braucht es jedoch klarere Standards und stärkere Investitionsanreize.

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