Deutschlands ältester Atomreaktor Grafenrheinfeld geht vom Netz – und Bayern bangt um Strom
Jana KellerDeutschlands ältester Atomreaktor Grafenrheinfeld geht vom Netz – und Bayern bangt um Strom
Deutschland stellt dieses Wochenende seinen ältesten aktiven Atomreaktor ab
Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld in Nordbayern wird endgültig vom Netz genommen – der erste derartige Schritt seit 2011. Die Anlage war 33 Jahre in Betrieb und erzeugte etwa ein Sechstel des bayerischen Strombedarfs.
Die Abschaltung ist Teil des deutschen Atomausstiegs. Bis Ende 2022 folgen drei weitere bayerische Meiler: Gundremmingen B, Gundremmingen C und Isar II. Eine Studie des baden-württembergischen Umweltministers warnt, dass Bayern dadurch mit Versorgungsengpässen rechnen muss.
Die bayerische Landesregierung lehnt jedoch den Ausbau von Windparks und neuen Hochspannungstrassen als Lösung ab. Unterdessen kündigte die Bundesnetzagentur an, die Reservekapazitäten bis 2016 um 3,1 Gigawatt zu erhöhen – etwas mehr als die Leistung der beiden Atomkraftwerke, die bis 2017 stillgelegt werden sollen.
Deutschland baut zudem Expertise beim Rückbau von Atomkraftwerken auf: Mehr als die Hälfte der Anlagen wird bereits demontiert. Die Bundesnetzagentur prüft, ob der Stromhandel zwischen Österreich und Deutschland getrennt werden könnte, um den Bedarf an zusätzlichen Reserverkapazitäten zu verringern. Grafenrheinfeld ist auch als Schauplatz des Romans „Die Wolke“ bekannt, der eine fiktive Atomkatastrophe beschreibt.
Die Stilllegung von Grafenrheinfeld markiert eine neue Phase der Energiewende. Die Abschaltung wird zeigen, ob Deutschland die Stromversorgung ohne Atomkraft aufrechterhalten kann. Die Behörden bereiten Maßnahmen vor, um die Auswirkungen auf das bayerische Stromnetz zu bewältigen.
