Bayerns Streit um Kernkraft: Söder will SMR-Reaktoren – Aiwanger setzt auf Gas
Emma HerrmannAiwanger zweifelt den Nutzen von Söders Mini-Kernreaktoren an - Bayerns Streit um Kernkraft: Söder will SMR-Reaktoren – Aiwanger setzt auf Gas
Bayerns Vorstoß für kleine modulare Reaktoren (SMR) hat eine Debatte über die Energiezukunft des Freistaats entfacht. Ministerpräsident Markus Söder unterstützt den Bau eines kleinen Kernreaktors, doch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bleibt skeptisch. Aiwanger argumentiert, dass Gaskraftwerke eine realistischere kurzfristige Lösung darstellen.
Weltweit zeigt sich bei der Kernenergie ein gemischtes Bild: Während Russland und China bereits moderne Reaktoren in Betrieb genommen haben, setzen Nordamerika auf neue Kleinkonzept-Reaktoren.
Söder hatte kürzlich vorgeschlagen, in Bayern einen kleinen Kernreaktor zu errichten, um die Energiesicherheit zu stärken. Aiwanger hingegen zweifelt an der Umsetzbarkeit des Plans. Er verwies darauf, dass weder Bayern noch Deutschland derzeit über das Know-how verfügen, um SMRs innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu bauen.
Der Wirtschaftsminister betonte die Dringlichkeit des Handelns und forderte die Bundesregierung auf, stattdessen Gaskraftwerke zu errichten. Er warnte, die anhaltenden Diskussionen über die Energiepolitik würden in der Bevölkerung Verunsicherung auslösen. Seine Kritik richtete sich auch gegen Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, der er vorwirft, durch die Einbringung neuer Themen bestehende Herausforderungen zu verkomplizieren, statt sie zu lösen.
Grundsätzlich lehnt Aiwanger Kerntechnologie nicht ab, hält Gaskraftwerke aber für die pragmatischere Lösung im Moment. Seine Skepsis steht im Kontrast zu globalen Entwicklungen: Länder wie Russland und China haben bereits fortschrittliche Kernenergieprojekte realisiert. Russlands schwimmendes Kernkraftwerk Akademik Lomonossow ist seit 2020 in Pewek in Betrieb, und China hat kürzlich seinen Hochtemperaturreaktor HTR-PM in Betrieb genommen.
Auch in Nordamerika gibt es Fortschritte: Kanada baut am Standort Darlington von Ontario Power Generation den ersten BWRX-300-Reaktor, dessen Fertigstellung für 2030 geplant ist. In den USA hat die Tennessee Valley Authority zwar Pläne für einen ähnlichen Reaktor am Clinch River in Oak Ridge genehmigt, doch das Projekt befindet sich noch in der Prüfphase.
Bayerns Energiestrategie bleibt somit gespalten zwischen nuklearen Ambitionen und dem Ruf nach schnellen Gaskraft-Lösungen. Aiwangers Forderung nach Gaskraftwerken spiegelt Bedenken wider, dass Verzögerungen und Fachkräftemangel die SMR-Entwicklung behindern. Die Debatte verdeutlicht globale Trends, bei denen einige Nationen auf Kernenergie setzen, während andere nach praktikablen Alternativen suchen.