AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Umdeutung der deutschen Schuld nach 1945
Jana KellerAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Umdeutung der deutschen Schuld nach 1945
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hat mit seinen Äußerungen zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus für Aufsehen gesorgt. In seiner Rede lehnte er lang etablierte historische Deutungen ab und bezeichnete die deutsche Schuld nach 1945 als ein „konstruiertes Konzept“.
Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gefährliche Erzählungen wiederbeleben und das Leid der NS-Opfer verharmlosen zu wollen. Bei der Gedenkveranstaltung sprach Tillschneider von einer „absurden Schuldkultur“, die Deutschland nach dem Krieg entwickelt habe. Er behauptete, das Land habe sich eine „eingebildete Kollektivschuld“ auferlegt, um der eigenen Vergangenheit auszuweichen. Seine Worte stellen Jahrzehnte der offiziellen Erinnerungspolitik infrage.
Zudem wies er die berühmte Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 – ein Meilenstein der deutschen Verantwortungsdebatte – als „geistige Kapitulation“ zurück. Tillschneider zufolge hätten sich die Deutschen im Nachhinein auf die Seite der Alliierten geschlagen, um dem eigenen Schuldgefühl zu entkommen.
Über die geschichtliche Umdeutung hinaus bezeichnete er die militärische Niederlage von 1945 als „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Die AfD in Sachsen-Anhalt fordert seit Langem eine „normale deutsche Identität“ und relativiert dabei die Täterrolle Deutschlands während der NS-Zeit.
Historiker und politische Gegner warnen, dass solche Rhetorik Deutschland in eine geistige Isolation zurückwerfen könnte. Sie argumentieren, dass damit die Bemühungen untergraben würden, die Opfer zu ehren und aus der Geschichte zu lernen.
Tillschneiders Äußerungen spiegeln eine breitere Strategie der AfD wider, die deutsche Geschichtsschreibung umzudeuten. Der Vorstoß der Partei für eine „normalisierte“ Identität steht im Widerspruch zur anerkannten Erinnerung an die NS-Verbrechen. Beobachter befürchten, dass diese Positionen die Debatten über Erinnerung und Verantwortung weiter polarisieren könnten.






