Abitur-Noteninflation: Warum Studierende trotz guter Zeugnisse kämpfen
Johanna SchwarzAbitur-Noteninflation: Warum Studierende trotz guter Zeugnisse kämpfen
Studierende in Deutschland beginnen ihr Studium mit schwächeren Grundkenntnissen – trotz besserer Abiturnoten als je zuvor. Der Durchschnittswert hat sich von 2,5 im Jahr 2006 auf heute 2,36 verbessert, doch viele kämpfen weiterhin mit essenziellen Fähigkeiten in Mathe, Leseverständnis und schriftlichem Ausdruck. Hochschulen stehen nun vor der Herausforderung, diese Lücken mit Zusatzkursen zu schließen.
Walter Koch, Vorsitzender des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), warnt vor einer Noteninflation beim Abitur. Zu großzügige Bewertungen würden falsche Erwartungen wecken und die Studierenden unvorbereitet auf die Anforderungen eines Studiums zurücklassen, so Koch. Er fordert, dass das Abitur tatsächlich die tatsächliche Leistungsfähigkeit widerspiegeln solle – und nicht nur aufgeblähte Ergebnisse.
Hochschulen haben bereits Brückenkurse eingeführt, um fehlende Grundlagen nachzuholen. Doch diese Maßnahmen seien nur Notlösungen, keine dauerhafte Antwort auf das Problem, betont Koch. Stattdessen plädiert er für eine Rückkehr zu strengeren Bewertungskriterien, um die Aussagekraft des Abiturs als verlässlichen Indikator für die Studierfähigkeit zu erhalten.
Doch das Problem geht über die Noten hinaus: Viele Erstsemester beherrschen kernthematische Kompetenzen in Mathe, Textverständnis und präziser Ausdrucksfähigkeit nicht ausreichend. Zwar suggerieren ihre Abiturergebnisse gute Leistungen, doch Dozenten berichten von einer wachsenden Kluft zwischen schulischer Bewertung und tatsächlicher Studienreife.
Das aktuelle System belastet die Hochschulen zusätzlich, die nun Defizite der Schulbildung ausgleichen müssen. Ohne eine Reform der Bewertungspraxis droht das Abitur seine Glaubwürdigkeit als Leistungsnachweis zu verlieren. Kochs Appell zielt darauf ab, das Vertrauen in den Schulabschluss als zuverlässige Vorbereitung auf ein Studium wiederherzustellen.






